CEA © Christian von der Eltz Public Relations and Studio
Top Story
Editorial Navi
History: Fahion Photography Der Versuch einer Zuordnung
Fashion Photographer Richtung und Orientierung „Werbung, Fotografie, Kunst und Kultur ist der  Spiegel unserer Gesellschaft. Jeder Gesellschaft.“ Rueckblick: 1945 liegt Europa in Schutt und Asche. Das Verlangen nach gesunder Er- naehrung und nach einem sicheren zu Hause hatte oberste Prioritaet. Danach allerdings folgte schon fast ueber- gangslos der Wunsch nach guter Kleidung, gefolgt von dem Beduerfnis nach Amuese- mant, Unterhaltung, Kunst und kulturellem Leben. Wen wundert es, wenn die Fashionindustrie dann, wie aus dem Nichts, neue Beduefnisse und Traeume weckt. Da gibt es ploetzlich wieder Schaufenster,  Kinofilme,Verkaufskataloge und…Werbung. Und Werbung braucht Formate. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts bringt der Verleger Arthur Turnure in New York die erste Vogue heraus. Auch in Berlin erscheint  Vogue bereits zwischen April 1928 und Oktober 1929. Aber Politik und Krieg schaffen andere Realitaeten, so dass die auch die Fashion- industrie erst so richtig in den 50er Jahre wieder Fahrt aufnimmt. Paris, London und Mailand entwickeln sich schnell durch international bedeutende Designer und Modekollektionen zu Hotspots in Europa. Berlin mit Verzoegerung. Es gibt die ersten Modeschauen. In diesem Zusamenhang sei auch die Bio- graphie von Aenne Burda erwaehnt, die 2020 als Verfilmung im ZDF lief. Coco Chanel darf ebenfalls nicht unerwaehnt bleiben. Auch ihre Biografie ist lesenswert. Man sollte sich nicht von der heutigen „Markenbotschaft“ taeuschen lassen. Fakt ist aber nunmal, dass es vornehmlich der Einfluss von Vogue war, der mit den, bis dahin rein dokumentarisch und journalistisch arbeitenden Fotografen ein voellig neues und beachtetes Berufsbild schaffte. Fashion Photographer. Von diese neuen Perspektiven fuehlten sich Viele ploetzlich inspiriert. Fashion Photographer in den 50igern und 60er war allerdings etwas anderes als heute. Zum einen, weil Technik extrem teuer und nicht fuer jeden zugaenglich war und zum anderen musste man wohl schon sehr, sehr an sich glauben, um diesem „Beruf“ an- faenglich zu vertrauen. Die Leidenschaft fuer das Thema war zunaechst groesser,  als die rein materielle Erwartungshaltung. Akquisition und Bilderverkauf stellt ohne Internet eine gaenzlich andere Heraus- forderung dar. Ich selbst kann mich zwar noch an Zeiten ohne Internet erinnern. Aber selbst dieser Vergleich mit den 80igern duerfte dem wohl in keiner Weise gerecht werden.   1961 geboren, wuchs ich in einer kleinen Deutschen Baederstadt in NRW auf, wo man sich bemuehte, die Welt mit starren gesellschaftlichen Normen und Standards in Ordnung und unter Kontrolle zu halten. Mein Vater gruesste Damen und Herren im Anzug mit Verbeugung und gezogenem Hut, waehrend meine Mutter, wie ein Abbild von Coco Chanel durch die Strassen und Parks unserer Kleinstadt flanierte. Das gehoerte sich so in jener Zeit der 60iger. Jeans oder T-Shirts waren verpoent und alles andere als gesellschaftsfaehig. Ich war vielleicht so 5 oder 6 Jahre alt, als mir die Regelmaessigkeit bestimmter Magazine in unserem Hause auffiel. Denn der Sonntag- nachmittag zwischen 2 und halb vier gehoerte  der Vogue, der Elle und anderen Magazinen. Wir hatten sie alle. Mein Vater lass unterdessen Tageszeitungen, Jagdzeitschriften oder er war selbst zur Jagd unterwegs. Vielleicht manchmal zu oft. Aus purer Langweile fing ich also an, neben meiner Mutter auf dem Sofa sitzend, den einen oder anderen Blick zu erhaschen. Und das fand ich zunehmend spannend und aufregend. Ich konnte mir stundenlang diese Bilder anschauen, deren Sinn ich nicht verstand, die aber schon damals eine unglaubliche Faszination auf mich ausuebten. Jahre spaeter, ich war bereits selbst Photographer, habe ich mich an diese damaligen Eindruecke erinnert. Ich bemerkte die stilistischen Veraenderungen in der Bild- sprache und wollte herausfinden, welcher Fotograf fuer welche Art „Stilrichtung“ in der Bildsprachenentwicklung verantwortlich war? Denn mit der Zeit veraenderte sich auch der Look von Vogue; im Grunde auch stell- vertretend fuer alle anderen Magazine. Vogue war allerdings immer Vorreiter. Fuer mich ist die Aesthetik und die Eleganz der Fashionfotografie in den 60iger Jahren aus heutiger Sicht uneingeschraenkt mit dem Namen David Bayley, London verbunden. David Bayley, (Vogue UK) mittlerweile ueber 80-jaehrig, war Fashion Photographer, Portrait- und  Street Photographer. Seine Arbeit fand ich schon deshalb bemerkens- wert, weil er Mode und Portraits mit Natuerlicheit, zurueckhaltend und mit Authenzithaet in Szene setzte. Vieles wirkt dabei zufaellig, reduziert und in meiner Wahrnehmung auch unperfekt. Er kam mit wenig aus. Schon damals war das Leben eines Foto- grafen mit Klischees behaftet. Und so entstand 1966 der Film „Blow up“, in dem diese Klischees bedient werden. David Bayley repraesentiert darin  den Hauptprotagonisten. Der Film ist in Englisch auf Youtube erreichbar. Heute? Kult! Auch Helmut Newton arbeitet bereits in den 60igern fuer die franzoesische Vogue. Waehrend David Bayley aber wohl einen klassischen Stil bevorzugt, bringt Helmut Newton erstmalig „Sex“ in die Fashion- Fotografie. Es ist der gesellschaftliche Beginn politischer und gesellschaftlicher Umbrueche und die Zeit der sexuellen Befreiung und Akzeptanz. Auch in Deutschland. Hier ist die Biographie vom Beate Uhse Pflichtlekuere. Ich kannte sie uebrigens persosenlich. Helmut Newton provoziert und nutzt die Kamera teilweise wie ein Voyer. Nach einer eher konservativen Phase der Fotografie entsteht eine voellig neue Bildsprache. Man traut sich was; auch von Seite der Verlage. Und wer aufmerksam hinsieht, wird die gesellschaftichen Praeferenzen in den jeweils unterschiedlich produzierten Laender- magazinen erkennen. Vogue in Engand ist etwas anderes als Vogue in Frankreich, Italien oder Deutschand. Eine Gesellschaft lebt ihre Exzesse oeffent- lich aus und lichtet sie fuer die Offentlichkeit sichtbar ab; die Andere lebt vielleicht nicht weniger exzessiv, nur zeigt sie es nicht. So manche Fotostrecke wirkt vergleichsweise fast spiessig und pruede. Wie auch immer. Alles in diesen foto- grafischen Arbeiten ist auf ihre Art bemerkenswert, weil Fotografie, auch Fashionfotografie, zu der Zeit noch erheb- lich dokumentarischer war; szenisch und authetisch. Die Fotografien waren in schwarz/weiss gehalten und erfuellen aus heutiger Sicht schon deshalb einen gewissen kuenstlerischen Anspruch, weil der Umgang mit Licht und Schatten und vergleichsweise einfachen Produktiosmitteln heute nur noch selten beherrscht wird. Ein nach heutigen Masstaeben handwerk- lich perfektes Bild war damals noch gar nicht moeglich. Aber erstaunlicher Weise interessiert uns das auch gar nicht, wenn wir die Hinterlassenschaften dieser Foto- grafen betrachten. Unsere Wahrnehmung hat sich verschoben. Und was die vielfaeltige Gestaltung der damaligen Fotografie betrifft, so kann man durchaus sagen, dass Fotografen damals wohl auch mehr gestalterische Freiheiten hatten als heute. Sie bekamen ein Thema und entschieden mehr oder weniger selbst, was sie damit taten. In den 70igern betritt ein neues Gesicht die Buehne der Fashion-Fotografie. Ein Mann namens Peter Brodbeck erobert als Peter Lindbergh die Fashionmetropole Paris und damit die Vogue. Was ihn von allen anderen unterscheidet ist seine ganz eigene Sicht der Dinge. Mit zunaechst unbedarften, gesellschaftlichen Konventionen ausgestattet, schert er sich zunaechst nicht wirklich um die Belange und normgebundenen Ansprueche von Auftraggebern. Er wollte nur Fotograf sein… That‘t it. Fertig. Dafuer ueberzeugt er mit Ideen und einer unverwechselbaren Bildsprache beim Stern in Hamburg. Er fotografiert aus meiner Erinnerung eine ungewohenliche Anzahl an Doppelseiten und bekommt Aufmerksamkeit. Peter Lindbergh zeigt kein sonderliches Interesse fuer Produkte, Marken oder auesserliches, sondern geht mit geradezu enttarnender Menschlichkeit in Tiefe. Im Laufe der Jahre faengt man vielleicht an, seine eigenen Erkenntnisse in „Formen“ zu giessen… Fuer mich trifft das jedenfalls zu. Es gibt mir das Gefuehl und die Bestaetigung meiner persoenlichen Weiterentwicklung. Und meine Erkenntnis ist: „Es kommt nicht auf den Anzug an, sondern darauf, wer ihn traegt. Es kommt nicht auf das Auto an, sondern darauf, wer es faehrt. Und es kommt nicht auf das Haus an, sondern auf den, der darin wohnt…“ Und es scheint, dass dieses (mein) Statement heute aktueller ist denn je… Peter Lindbergh ist fuer mich das Gegenteil von Helmut Newton, der wohl einmal sagte, seine Models mit dem Blick eines Bauern auf einen Kartoffelsack zu betrachten. Peter Lindbergh dagegen baut zwischen- menschliche Beziehungen auf und entwickelt eine ganz eigene und sensible Art der Wahrnehmung fuer Menschen. So zumindest mein aesserer Eindruck, wenn ich mir sein Film dokumentiertes Leben in einzelnen Sequenzen ansehe. Aber er steht auch fuer eine kompromisslose Schwarz/Weiss Fotografie, die die Person in den szenischen Mittelpunkt stellt. Was Modelabels mit seinen Fotos machen, scheint ihm erst einmal nicht so wichtig. Er bleibt seinem Stil treu und denkt auch in seiner Bildsprache erkennbar nicht kommerziell, sondern kuenstlerisch und vor allem authentisch. Fuer ihn ist Fashionfotografie gleich- bedeutend mit Portraitfotografie. Und diese Ansicht teile ich ebenfalls. Allerdings dachte auch Peter Lindbergh ab einem bestimmten Punkt PR-orientiert. Waehrend andere Fotografen nach dem Shooting nach Hause gingen oder den Tag anderweitig verbrachten, besuchte er oeffenticheitswirksam mit seinen Models die Restaurants, Bars und Clubs der Hot- spots, an denen er gerade fotografierte. Nicht ohne Nachhaltigkeit fuer seine eigene und die Karriere seiner Models. Das ein Fotograf selbst zum Medienstar avanciert, hat es bis dahin so noch nicht gegeben. So machte er aus sich und seinen Models bekannte Eigenmarken. Und mit Peter Lindbergh endet fuer mich persoenlich dann auch die Aera der eleganten Fashionfotografie mit kuenstler- rischem Anspruch und diesem „Touch“ fuer Individualitaet und einer eigene Handschrift. Die Namen, die ich jetzt zur Fortsetzung dieser Geschichte nennen muesste, haben sich leider in einer Weise disquaifiziert, dass ich sie nicht mehr bruecksichtigen moechte. Getragen vom Glamour internationaler Luxusmarken halten oder hielten sich so manche Fotografen ploetzlich fuer unantastbar, stellten ihren dekadenten Lifestyle zur Schau und missbrauchten ihre „scheinbare Macht“ gegenueber Models und Teammitarbeitern. Nicht ohne Folgen. Fashion-Shootings, wie man sie kannte, sind bei den meissten Verlagen und Fotografen vorbei.  Das unendschuldbare Fehlverhalten einzelner hat die notwendige Privatsphaere und das Vertrauen zerstoert. Heute zaehlt nicht mehr nur das Ergebnis, sondern auch, wie es zustande gekommen ist.  Und das hat durchaus etwas mit einem „bewusst kontrollierbaren und industriellen Produktionsprozess“ zu tun. Es ist schon ziemlich armselig, wenn er- wachsene Menschen andere erwachsene Menschen brauchen, um sich und andere „unter Kontrolle“ zu halten. Aber in der Tat ist oeffentliche Aufmerk- samkeit, Geld, Macht und Einfluss ein scheinbar gutes Druckmittel, um in andere Realitaeten abzudriften. Der Eine ist dafuer aus reiner Eitelkeit an- faellig und ein Anderer alles andere als beeindruckt. Einerseits. Andererseits hat sich speziell in den letzten20 Jahren eine Bild- sprache entwickelt,die ich als „inszinierte Produktfotografie aufhoechstem Niveau“ bezeichne. Fashionfotografie ist nicht mehr fokussiert auf Mode als Ausdruck eines individuellen, vielleicht auch gesellschaftlichen Statements, sondern davon entrueckt und reduziert auf Presentation und Verkauf. Und das be- einflusst jedes Magazin-Layout. Die Fokussierung auf reine Kommer- zialisierung hat fuer mich der Fashion- Fotografie die Seele geraubt. Ich selbst bemuehe mich weiterhin um den bidlichen Charme einer Geschichte. Ebenfalls erwaehnenswert finde ich den Umstand, dass es auch mal eine Zeit ohne RAW und  Photoshop gab. Jede 500 Euro Kamera von heute ist weiter entwickelt als das Top-Modell, mit denen die Fotografen damals fotografiert haben. Heute scheint die Frage nach Retouching und Bildbearbeitung wichtiger zu sein, als die Fotografie selbst. Ich selbst nutze Photoshop zur reinen Formataenderung, fuer Bildaus- schnitte, geringfuegige Licht- oder Kontrast- korrekturen und um moeglicher Weise einem Foto das letztes „Finish“ zu geben.  Dagegen kommen Bildmanipulationen konsequent nicht in Frage. Es bleibt, wie ich es fotografiert habe. Bei all den Vergleichen frage ich mich deshalb, was es davon heute noch wert waere, gedruckt zu werden, um in einer Galerie zu haengen? Vorausgesetzt wir reden ueber Fotografie und nicht ueber „grafische Montagen“, fuer die eine Foto- grafie als Vorlage dienen mag. Aber auch das kann sich natuerlich wieder aendern. Allerdings beantwortet es die Frage nach dem heutigen Stellenwert der Modefotografie und der damit verbundenen, gesell-schaftlichen Relevanz. Denn wie sehr sich wer, wie und durch was mittels Modemagazine und Fashionfotografie tatsaechlich beeinflussen laesst, macht allein das Strassenbild sichtbar. Und das bleibt letztendlich ueberall auf der Welt nur eine Frage der taeglichen und persoenlichen Wahrnehmung.                                                                          
Schreibt mir eine Mail, wenn es dazu Fragen gibt: BackOffice@ChristianvonderEltz.com
Imprint Contact